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Was ist der Zinseszinseffekt und wie funktioniert er?

Der Zinseszinseffekt bedeutet, dass Sie Rendite nicht nur auf Ihr eingezahltes Kapital erhalten, sondern auch auf die bereits gutgeschriebene Rendite. Ihr Gewinn beginnt also selbst, Gewinn zu erzeugen. Das klingt nach wenig, doch über viele Jahre ergibt sich ein Schneeballeffekt: Ihr Vermögen wächst immer schneller. Der Unterschied zu einfachen Zinsen, bei denen Sie jedes Jahr denselben Betrag nur auf das Kapital bekommen, wird jedes Jahr größer. In diesem Artikel sehen Sie die Formel, ein Rechenbeispiel in Euro und die 72er-Regel.

Die Formel

Die Grundformel lautet: Endbetrag = Einzahlung × (1 + Zinssatz) hoch Anzahl der Jahre. Der Zinssatz wird als Dezimalzahl eingesetzt, 5 % werden also zu 0,05. Die Anzahl der Jahre steht im Exponenten, und genau der Exponent sorgt für die Beschleunigung.

Je öfter die Rendite dem Kapital gutgeschrieben wird (monatlich statt jährlich), desto stärker der Effekt, weil Ihre Rendite dann früher selbst verzinst wird. Man nennt das Kapitalisierung: Die Rendite wird zur Gesamtsumme addiert, die dann weiterwächst.

Ein Rechenbeispiel in Euro

Angenommen, Sie legen 10.000 € in einen breiten Fonds mit durchschnittlich 6 % Rendite pro Jahr und lassen das Geld 30 Jahre liegen, ohne etwas einzuzahlen oder abzuheben. Mit einfachen Zinsen bekämen Sie 30 × 600 € = 18.000 €, insgesamt 28.000 €. Mit Zinseszins wird daraus rund 10.000 € × 1,06 hoch 30, also grob gerechnet 57.400 € — fast 30.000 € mehr, nur durch Rendite auf Rendite.

Zahlen Sie zusätzlich jeden Monat einen festen Betrag ein, ist der Effekt noch stärker, weil jede neue Einzahlung ab dann selbst verzinst wird. Deshalb ist es meist wichtiger, früh anzufangen und dranzubleiben, als dass die erste Einzahlung groß ist.

Die Zeit und die 72er-Regel

Die 72er-Regel ist eine schnelle Faustregel, um zu schätzen, wie lange es dauert, bis sich ein Betrag verdoppelt: Teilen Sie 72 durch die jährliche Rendite in Prozent. Bei 6 % dauert eine Verdopplung rund 72 ÷ 6 = 12 Jahre. Bei 3 % sind es 24 Jahre.

Dieselbe Mathematik arbeitet gegen Sie bei Schulden, deren Zinsen kapitalisiert werden — etwa bei einem offenen Kreditkartensaldo. Dort sorgt der Zinseszins dafür, dass die Schuld immer schneller wächst, wenn Sie nur den Mindestbetrag zahlen.

Häufig gestellte Fragen

Welche Rendite sollte ich annehmen?
Setzen Sie eine vorsichtige Zahl nach Steuern und Kosten an. Für einen breiten, günstigen Aktienfonds werden langfristig oft 5 bis 7 % pro Jahr als historisch plausibel genannt, doch die Rendite ist nicht garantiert und schwankt stark von Jahr zu Jahr.
Wie oft wird der Zinseszins gutgeschrieben?
Auf einem Sparkonto meist einmal jährlich. In Fonds passiert es laufend über Kursänderungen und wieder angelegte Ausschüttungen. Je öfter die Rendite kapitalisiert wird, desto größer der Effekt.
Funktioniert der Zinseszins auch mit kleinen Beträgen?
Ja. Der Effekt hängt von der Rendite und der Zeit ab, nicht von der Höhe des Betrags. Ein kleiner monatlicher Sparbetrag, der viele Jahre Zeit hat, kann zu einer erheblichen Summe anwachsen.

Informativer Inhalt, keine Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung. Prüfen Sie Beträge, Grenzwerte und aktuelle Bedingungen direkt bei offiziellen Quellen (FMA, Pensionsversicherungsanstalt, Finanzamt, AMS, Einlagensicherung AUSTRIA), bevor Sie eine Entscheidung treffen.

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