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Was ist der Zinseszinseffekt und wie funktioniert er?

Der Zinseszinseffekt bedeutet, dass Sie Rendite nicht nur auf Ihr eingezahltes Kapital erhalten, sondern auch auf die bereits gutgeschriebene Rendite. Ihr Gewinn beginnt also selbst, Gewinn zu erzeugen. Das klingt nach wenig, doch über viele Jahre ergibt sich ein Schneeballeffekt: Ihr Vermögen wächst immer schneller. Der Unterschied zu einfachen Zinsen, bei denen Sie jedes Jahr denselben Betrag nur auf das Kapital bekommen, wird jedes Jahr grösser. In diesem Artikel sehen Sie die Formel, ein Rechenbeispiel in Franken und die 72er-Regel.

Die Formel

Die Grundformel lautet: Endbetrag = Einzahlung × (1 + Zinssatz) hoch Anzahl der Jahre. Der Zinssatz wird als Dezimalzahl eingesetzt, 5 % werden also zu 0,05. Die Anzahl der Jahre steht im Exponenten, und genau der Exponent sorgt für die Beschleunigung.

Je öfter die Rendite dem Kapital gutgeschrieben wird (monatlich statt jährlich), desto stärker der Effekt, weil Ihre Rendite dann früher selbst verzinst wird. In einem breit gestreuten Fonds geschieht das laufend über den Kurs und über wiederangelegte Ausschüttungen (thesaurierende ETFs legen sie automatisch wieder an).

Ein Rechenbeispiel in Franken

Angenommen, Sie legen 10'000 CHF in einen breiten Fonds an, der langfristig im Schnitt 5 % pro Jahr bringt, und lassen das Geld 30 Jahre liegen, ohne etwas hinzuzufügen oder zu beziehen. Mit einfachen Zinsen erhielten Sie 30 × 500 CHF = 15'000 CHF, insgesamt 25'000 CHF. Mit Zinseszins werden daraus rund 10'000 CHF × 1,05 hoch 30, also etwa 43'200 CHF — fast 18'000 CHF mehr, allein aus Rendite auf Rendite.

Zahlen Sie zusätzlich jeden Monat einen festen Betrag ein, ist der Effekt noch stärker, weil jede neue Einzahlung ab diesem Zeitpunkt mitverzinst wird. Deshalb zählt früh anzufangen und dranzubleiben meist mehr als die Höhe der ersten Einzahlung — und deshalb baut die Säule 3a, in die man jedes Jahr einzahlt, über ein Erwerbsleben so viel auf.

Zeit und die 72er-Regel

Die 72er-Regel ist eine schnelle Schätzung dafür, wie lange eine Summe zum Verdoppeln braucht: Teilen Sie 72 durch die jährliche Rendite in Prozent. Bei 5 % dauert eine Verdopplung rund 72 ÷ 5 = 14,4 Jahre. Bei 2 % dauert sie 36 Jahre.

Dieselbe Mathematik arbeitet gegen Sie bei Schulden, bei denen Zinsen anfallen, etwa einem nicht beglichenen Kreditkartensaldo oder einem Konsumkredit. Dort sorgt der Zinseszins dafür, dass die Schuld immer schneller wächst, wenn Sie nur den Mindestbetrag zahlen.

Häufig gestellte Fragen

Welche Rendite soll ich annehmen?
Nehmen Sie einen vorsichtigen Wert nach Kosten. Für einen breit gestreuten, günstigen Aktien-ETF werden langfristig oft 4–6 % pro Jahr genannt, aber Renditen sind nicht garantiert und schwanken von Jahr zu Jahr stark. Für ein Sparkonto ist der aktuelle Zinssatz massgebend.
Wie oft wird der Zinseszins gutgeschrieben?
Auf dem Sparkonto meist einmal jährlich. In Fonds geschieht es laufend über die Kursentwicklung und wiederangelegte Ausschüttungen. Je häufiger die Rendite kapitalisiert wird, desto grösser der Effekt.
Funktioniert Zinseszins auch mit kleinen Beträgen?
Ja. Der Effekt hängt von der Rendite und der Zeit ab, nicht von der Höhe des Betrags. Ein kleiner regelmässiger Beitrag über viele Jahre kann zu einer beachtlichen Summe werden — genau das ist die Idee hinter der Säule 3a.

Informativer Inhalt, keine Finanz-, Steuer- oder Rechtsberatung. Prüfen Sie Beträge, Grenzwerte und aktuelle Bedingungen direkt bei offiziellen Quellen (FINMA, Ausgleichskasse, Eidgenössische Steuerverwaltung, RAV/SECO, esisuisse), bevor Sie eine Entscheidung treffen.

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